Au Backe!

Zahnbehandlungen sind teuer und aufwendig. Und die Grundversicherung der Krankenkasse zahlt normalerweise nichts. Hier finden Sie ein paar Tipps, wie Sie günstiger zu Behandlungen kommen, wo Sie finanzielle Hilfen finden und was Sie bei einer Pfändung beachten müssen.

Beugen Sie vor: Wer seine Zähne regelmässig und richtig putzt, muss sich seltener vom Zahnarzt behandeln lassen. Wenn Sie zusätzlich Zahnseide verwenden, gönnen Sie sich die beste Reinigung, die nach heutigem Wissen möglich ist. In den Wartezimmern der Zahnarztpraxen liegen häufig Zahnpasta-Gratismuster. Bedienen Sie sich.

Schöpfen Sie Sparmöglichkeiten aus

Sollten Sie trotz guter Pflege eine Zahnbehandlung brauchen, beachten Sie – je nach Situation – einen oder mehrere der folgenden Tipps:

Verlangen Sie von Ihrem Zahnarzt eine zweckmässige und einfache Sanierung.

Lassen Sie sich vor der Behandlung immer einen Kostenvoranschlag machen.

Holen Sie bei grossen Behandlungen eine zweite Offerte ein.

Vorsicht bei Zahnärztinnen, die hohe Vorauszahlungen verlangen. Klären Sie ab, ob eine Mitgliedschaft bei der Zahnärztegesellschaft SSO http://www.sso.ch/ vorliegt. Die dort angeschlossenen Zahnärzte müssen sich einer Begutachtung stellen, falls Sie mit der Behandlung nicht zufrieden sind.

Manche Zahnärztin lässt mit sich wegen des Preises handeln.

Gewisse krankheitsbedingte Zahnbehandlungen muss die Krankenkasse übernehmen. Damit die Kasse zahlt, verlangt sie oft einen überdurchschnittlichen Zahnpflegeaufwand der versicherten Person (gemäss Urteil K 106/99 vom 29.01.2002 des Eidg. Versicherungsgerichts)

Im Kanton Basel-Stadt wohnende Bezügerinnen und Bezüger von Krankenkassen-Prämienverbilligungen erhalten von der Volkszahnklinik und (bis zum 16. Altersjahr) in den Schulzahnkliniken Reduktionen.

Jugendliche bis 16 Jahre fahren günstiger, wenn sie sich in der Schulzahnklinik statt in einer privaten Zahnarztpraxis behandeln lassen.

Wohnen Sie in einem anderen Kanton, erkundigen Sie sich bei Ihrer Wohnsitzgemeinde, ob bzw. wo für Sie vergleichbare Möglichkeiten bestehen.

Die Polikliniken an den zahnmedizinischen Zentren der Universitäten Basel, Bern und Zürich  verrechnen zahnärztliche Leistungen zu günstigen Konditionen. Am billigsten ist die Behandlung durch Studentinnen und Studenten (unter Profi-Aufsicht). Danach fragen lohnt sich.

Liegt Ihr Einkommen am oder nur knapp über dem Existenzminimum (siehe Budget), reichen Sie ein Stiftungsgesuch ein (vor der Behandlung und mit Kostenvoranschlag). Soziale Institutionen, Beratungsstelle oder das eidgenössische Stiftungsverzeichnis können Ihnen dabei helfen, eine geeignete Stiftung zu finden.

Basel: Adressen von passenden Stiftungen finden Sie im Stiftungsverzeichnis der Caritas beider Basel oder fragen Sie bei einer Beratungsstelle nach.

Falls Sie von der Sozialhilfe unterstützt werden: Klären Sie vor der Behandlung ab, ob die Kosten übernommen werden. Bei notwendigen Zahnbehandlungen ist das in der Regel der Fall.

Als IV- oder AHV-Rentnerin mit Ergänzungsleistungen erhalten Sie die Kosten für eine einfache, zweckmässige und wirtschaftliche Behandlung zurückerstattet, wenn Sie den Kostenvoranschlag vorher einreichen. Hier finden Sie die wichtigen Infos dazu sowie die dafür zuständige Stelle Ihres Kantons. Möglicher­weise verlangt man von Ihnen einen zweiten Kosten­voranschlag von einer anderen Zahnärztin. Hier können Sie Ihre erste Offerte vergleichen.

Falls Ihr Einkommen gepfändet wird: Machen Sie die Auslagen für notwendige Zahnbehandlungen beim Betreibungsamt geltend. Zeigen Sie dazu den Zahlungsbeleg. Für grössere Behandlungen benötigen Sie ebenfalls eine Offerte, die Sie vor der Behandlung bitte vorzeigen.

Zahnbehandlungen im Ausland

Häufig sind Zahnbehandlungen im Ausland erheblich günstiger. Vergleichen Sie Preise und Leistungen und begeben Sie sich nur mit klaren Vorstellungen ins Ausland. Eine Voruntersuchung bei einer Schweizer Zahnärztin orientiert Sie über den Zustand Ihrer Zähne und die Behandlungsmöglichkeiten. Klären Sie mit Ihrer Krankenkasse ab, ob diese auch Behandlungen im Ausland übernimmt. Oft müssen dafür drei Bedingungen erfüllt sein:

  • Sie haben eine entsprechende Zusatzversicherung abgeschlossen.
  • Der ausländische Zahnarzt verfügt über einen vergleichbaren Ausbildungsstand wie seine Schweizer Kolleginnen.
  • Die Kosten sind nicht höher als in der Schweiz.

Befindet sich Ihre ausländische Zahnärztin nicht im nahen Grenzgebiet, sondern z.B. in Ungarn, sollte sie Beratungs- und Nachbehandlungsmöglichkeiten in der Schweiz anbieten. Verlangen Sie einen seriösen Kosten- und Behandlungsvorschlag sowie eine Referenzliste und rufen Sie im Vorfeld bereits behandelte Patienten an. Klären Sie ab, wie lange Sie Garantie erhalten, wer diese erbringt, welche Leistungen eingeschlossen sind und wer bei einem Schadenfall haftet.

Achtung bei Unfällen! Die Unfallversicherung muss Zahn- und auch andere Behandlungen im Ausland nicht bezahlen (ausser wenn der Unfall im Ausland passiert und es sich um einen Notfall handelt). Bei tieferen Kosten im Ausland übernimmt die Unfallversicherung diese in der Praxis zwar oft, doch dazu ist sie nicht verpflichtet.

In der Zahnmedizin werden fehlende Zähne durch Implantate ersetzt. Vielfach bieten Zahnärzte den Patientinnen nur teure Markenimplantate an und verschweigen, dass es viel günstigere Nachahmerprodukte gibt. Fragen Sie danach. Wechseln Sie die Zahnarztpraxis, wenn keine Bereitschaft da ist, ein solches Nachahmerprodukt zu verwenden.

Handeln Sie im akuten Notfall schnell

Warten Sie bei Schmerzen trotz finanziellem Engpass nicht lange mit der Behandlung. Zu spät behandelte Zahnprobleme können langwierige Folgeerkrankungen auslösen, die dann erst recht Ihr Budget strapazieren.
Zahnärzte müssen auch zahlungsschwache Notfallpatientinnen aufnehmen und Schmerzen sowie akute Infektionen behandeln (ein kosmetisch optimales Ergebnis kann in dieser Lage aber nicht verlangt werden). Gehen Sie trotzdem nicht einfach zum Zahnarzt um die Ecke, sondern wählen Sie mit Hilfe der Tipps oben eine günstige und kurzfristig durchführbare Lösung.

Zahnversicherungen für Kinder

Zahnstellungs­korrekturen sind bei Kindern sehr teuer. Deshalb lohnt es sich, dafür eine Zusatz­versicherung abzuschliessen. Sogar wenn schon Behandlungen anstehen, kann noch eine entsprechende Versicherung abgeschlossen werden. Wichtig ist dabei zu wissen, dass einige Kranken­kassen eine Karenz­frist haben. So zahlt zum Beispiel Vivao Sympany nur, wenn die Zusatz­versicherung bereits seit drei Jahren besteht. Diese sogenannt kleine Variante der Zahn­versicherung ist nicht teuer und kann ihr Familien­budget zukünftig sehr entlasten.

Achten Sie bei Zahn­versicherungen auf das Kleingedruckte. Manche Versicherungen bezahlen nur nach dem sogenannten Sozialtarif. Wenn die behandelnde Praxis höhere Taxpunkte berechnet (bei Kiefer­spezialistinnen häufig) muss der Versicherte die Differenz selber bezahlen.