Die teuerste Art, zu einem Auto zu kommen

Auto-Leasing ist weit verbreitet – obwohl es die teuerste Art ist, zu einem Auto zu kommen. Der Miet-Kauf (für Spezialistinnen: der Innominatkontrakt) ist ein «Fesselungsvertrag», der schwer kündbar ist und meist mit einer saftigen Schlusszahlung endet. Deshalb eignet sich Leasing nicht für Leute mit wenig Einkommen und ohne Ersparnisse.

Leasing wird oft mit niedrigen Zins­kosten angespriesen. Schnell aber ergeben sich hohe Monats­kosten. Leasing eignet sich deshalb vor allem für Leute mit genug Geld, die gern das jeweils neueste Modell fahren. Oder für Firmen, die steuerlich besser fahren, wenn sie Autos leasen. Privat­personen können in Basel-Stadt das Leasing nicht bei den Steuern abziehen.

Schnell ein Auto, kaum Geld auf dem Konto, warum kein Leasing?

Zusätzlich zur Leasing­­rate fallen hohe Kosten an für Raten-, Rechts­­schutz- und Voll­kasko­versicherung sowie für Mehr­­kilometer. Denn beim Abschluss des Leasings wird jeweils festgelegt, wie viele Kilometer mit dem Wagen gefahren werden dürfen. Überschreiten Sie diese Kilometer­anzahl, zahlen Sie für jeden einzelnen, gefahrenen Mehr­kilometer ein Auf­preis. Dazu kommen die üblichen Kosten für Reparaturen, Service, Benzin, Pneus, Steuern und Parkkarten oder Garage. Es lohnt sich deshalb auf jeden Fall, ein Budget zu erstellen: Exceltabelle-Autobudget

«Die Kosten häufen sich:  Schuld­­zins, Voll­kasko, Steuern, Ver­sicherung etc. Und aus dem langjährigen Vertrag komme ich nicht heraus. Ich brauche juristische Hilfe!»

Leasing ist ein gemischter Vertrag, in dem Elemente der Gebrauchsüberlassung überwiegen. Grundsätzlich ist es so, dass nach Ablauf der Vertragsdauer, das Auto wieder an die Leasinggesellschaft zurückgegeben werden muss. Meist ist im Vertrag eine Kaufoption drin, das heisst, Sie haben nach Ablauf der vereinbarten Laufzeit des Vertrags die Möglichkeit, das Auto zu kaufen. Zu den Bedingungen, die im Vertrag festgelegt sind (siehe oben, z.B. Mehr­kilometer). Das heisst aber auch, dass Sie vor Ablauf des Vertrags nicht Eigen­tümerin des Fahrzeuges sind. Falls etwas Unvorhergesehenes passiert und Sie plötzlich die Raten nicht mehr zahlen können, können Sie deshalb das Auto nicht verkaufen – es gehört Ihnen ja nicht. Der Ausstieg aus dem Leasing­vertrag ist schwierig und teuer. Auch bei Nichtgebrauch des Wagens und Abgabe des Nummern­schilds laufen die Raten weiter. Ein Auto-Leasing ist immer teurer als der Barkauf eines Autos. 

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Entschliessen Sie sich trotzdem für ein Auto-Leasing, empfehlen wir Ihnen , eine Rechts­schutz­versicherung abzuschliessen, welche allfällige Streitig­keiten aus dem Leasing­vertrag abdeckt.

Nachteile beim Auto-Leasing

  • Leasen ist auf jeden Fall teurer als ein Auto bar zu zahlen.
  • Sie sind nicht Eigen­tümer des Autos.
  • Lange Vertrags­laufzeit. Probleme bei der (vorzeitigen) Rück­gabe, rückwirkende Verteuerung (basierend auf der Restwerttabelle), «Knebelverträge».
  • Im Vertrag ist eine Kilo­meter-Limite (z.B. 10’000 km pro Jahr) festgelegt. Fahren Sie mehr, zahlen Sie für jeden zusätz­lichen Kilo­meter.
  • Die Vollkasko­versicherung ist obligatorisch. Sie kann schnell 3000 Franken im Jahr kosten.
  • Ungeeignet bei knappem Budget. Verschuldungs­falle (Geburt eines Kindes, Stellen­verlust, Krankheit oder Trennung und Scheidung – solche Ereignisse können Ihre finan­ziellen Verhältnisse innert kürzester Zeit auf den Kopf stellen)
  • Monatliche zusätzliche Kosten für Raten­absicherung im Falle von Arbeitslosig­keit, Arbeits- oder Erwerbsunfähigkeit.
  • Beim Leasing sind drei Parteien beteiligt: Leasing­geber, Garage, Kundin. Dies macht die Kommunikation kompliziert.  
  • Freie Werkstattwahl meist ausgeschlossen.
  • Zusatz­kosten für Beseitigung der Mängel, wenn Sie das Auto nicht in vertrags­gemässem Zustand zurückgeben.

Vorteile beim Auto-Leasing

  • Schnell ein neues Auto mit wenig Kapital.
  • Alle paar Jahre ein neues Auto fahren.
  • Vorteile für Firmen, das Kapital ist nicht gebunden.

Alternativen

Gut zu Wissen beim Ausstieg

Das Konsum­kredit­gesetz (KKG) garantiert der Konsumentin vier Kündigungs­termine pro Jahr (Art.17 Abs.3 KKG). Das heisst: Die Vertragsdauer ist zwar im Vertrag bestimmt. Die Leasingnehmerin hat aber ein Kündigungs- und somit ein vorzeitiges Auflösungs­recht. Damit ist aber die oben erwähnte rückwirkende Verteuerung verbunden.

Achtung: Die Schluss­rechnung nach der vorzeitigen Rückgabe des Autos fällt oft sehr hoch (zu hoch) aus. Die Leasing­gesellschaft berechnet gestützt auf eine «Restwerttabelle» rückwirkend eine höhere Leasing­rate. Das bedeutet, dass man eine Nachzahlung leisten muss. Diese sollte umso tiefer ausfallen, je länger der Vertrag gedauert hat.
Zu dieser Schluss­rechnung kommen oft «Instandstellungskosten» sowie «Entschädi­gungen für Mehrkilometer» dazu. Wer eine Rechts­schutz­versicherung hat, bei der Streitig­keiten aus Leasing mitversichert sind, sollte sich sicherheits­halber beraten lassen.

Bei vorzeitiger Rückgabe ist es oft vorteilhafter, wenn die Garage mit der Leasing­gesellschaft verhandelt und dann das Fahr­zeug zurück­nimmt (besonders dann, wenn sie damit rechnet, das Auto als Occasion wieder gut verkaufen zu können). Stellen Sie daher das Auto sofort dem Garagisten zur Verfügung, der einer der drei Vertrags­partner ist. Informieren Sie über Ihre schwierige finanzielle Situation und bitten Sie um Unter­stützung bei der Vertrags­­auflösung. Lassen Sie den Garagisten schätzen, wie viel die Instand­stellung kosten. Oft ist die Schätzung des Leasing­gebers höher als die Schätzung der Garage. Eine andere Möglichkeit ist, dass das Leasing von einer Drittperson übernommen wird.

Die Berner Schuldenberatung hat sich intensiv mit der Thematik befasst. Dort erfahren Sie weitere Details. Berner Schuldenberatung/Leasing

Weitere Links:
Berner Schuldenberatung: Die Restwerttabelle darf keine versteckte Strafe enthalten
Beitrag SRF Kassensturz 12.06.12: Auto-Leasing lohnt sich finanziell nicht
Beitrag SRF Espresso 21.11.14: Leasing: Bei vorzeitiger Rueckgabe schnappt die Schuldenfalle zu